Japanmakake Punch sitzt auf einem Affenkuscheltier

Punch zeigt, wie wichtig Mütter für junge Affen sin

Aufnahmen des jungen Affen Punch aus dem Ichikawa Zoo in Japan haben weltweit Aufmerksamkeit erregt. Sie verdeutlichen, dass junge Primaten manchmal von ihren Müttern abgewiesen werden, etwa aufgrund mangelnder Erfahrung. In freier Wildbahn übernehmen oft andere Gruppenmitglieder die Fürsorge. In Gefangenschaft können die Folgen einer solchen Ablehnung jedoch verheerend sein.

Bei AAP treffen regelmäßig junge Tiere ein, die von frühester Kindheit an ohne ihre Mütter auskommen müssen. Der Grund ist nicht immer eine Ablehnung, sondern häufig der illegale Handel mit Wildtieren als Haustiere. Die Folgen eines Aufwachsens ohne Mutter sind schwerwiegend, wie die Erfahrung zeigt.

Schwere Folgen für die Entwicklung

Viele junge Primaten, die im illegalen Wildtierhandel landen, werden nur Tage oder Wochen nach der Geburt von ihren Müttern getrennt. Ein Beispiel ist der junge Berberaffe Chitto, der erst wenige Monate alt war, als AAP ihn aus einer Privatwohnung in Deutschland rettete. Er war als „Geburtstagsgeschenk“ an eine Privatperson gegeben worden. Diese frühe Trennung führt zu erheblichen sozialen und emotionalen Schäden. Wissenschaftliche Studien und die tägliche Arbeit in den Rettungszentren belegen, dass junge Primaten ohne mütterliche Fürsorge ein hohes Risiko tragen, Verhaltensstörungen wie Selbstverletzung zu entwickeln. Diese Auswirkungen können ein Leben lang anhalten.

Deshalb ist es entscheidend, dass gerettete Primaten so schnell wie möglich Kontakt zu Artgenossen erhalten. Bevor dies geschehen kann, müssen sie jedoch zunächst gründlich medizinisch untersucht werden.

Schimpanse Giggi in der Notaufnahme bei AAP
Durch die Kettenhaltung trägt Giggi Verletzungen und kahle Stellen an den Oberschenkeln davon.

Sozialisierung Schritt für Schritt

Für sehr junge Tiere stellt AAP in der ersten Phase oft ein Stofftier oder eine Decke als emotionalen Ersatz zur Verfügung, ähnlich wie der Plüschorang-Utan, der Punch geschenkt wurde. Sobald das Tier medizinisch freigegeben ist, beginnt der Sozialisierungsprozess. Es wird nach einer geeigneten Pflegemutter gesucht, zu der das Jungtier eine Bindung aufbauen kann. Dies geschieht in speziell gestalteten Einrichtungen, in denen die Tiere schrittweise und sicher aneinander gewöhnt werden können.

Eine Pflegemutter bietet nicht nur Wärme und Zuneigung, sondern vermittelt auch essenzielle soziale Fähigkeiten. Diese sind für eine gesunde Entwicklung und ein späteres Leben in der Gruppe unverzichtbar. Chitto wurde bereits seiner Pflegemutter Beatrix vorgestellt, und die beiden beginnen, eine Beziehung aufzubauen. Beide Tiere wurden in Deutschland gerettet. Beatrix hilft Chitto beispielsweise, sein Fellpflegeverhalten zu entwickeln.

Ein Weißbüschelaffe hält sich an einem Stofftier fest.
Weißbüscheläffchen Ari hat auch ein Stofftier bekommen, damit er nicht so alleine ist.
Berberaffen Chitto und Beatrix
Berberaffe Beatrix hat Chitto als ihr Pflegekind akzeptiert.

Mehr junge Tiere in Not

In kurzer Zeit hat AAP mehrere junge Primaten aufgenommen, die viel zu früh von ihren Müttern getrennt wurden. Neben Chitto wurden auch die Berberäffin Lu, die auf den Straßen Frankreichs gefunden wurde, und der junge Schimpanse Giggi, der als Haustier in Sizilien gehalten wurde, gerettet. Alle benötigen intensive Betreuung und eine Pflegemutter, um die Folgen des frühen Verlusts der Mutter abzumildern.

Berberaffe Lu in der Quarantäne bei AAP
Berberaffe Chitto schaut in die Kamera
Berberaffe Chitto bei AAP

Affen als Haustiere

Die Beliebtheit exotischer Haustiere und die verklärte Darstellung von Primaten in sozialen Medien befeuern weiterhin die Nachfrage nach diesen Tieren als „Haustiere“, obwohl die Haltung von Primaten in vielen europäischen Ländern verboten ist. Eine EU-Positivliste, die klar regelt, welche exotischen Arten als Haustiere geeignet sind, könnte verhindern, dass junge Primaten Opfer des illegalen Handels werden und ein trauriges Dasein in Privathaushalten fristen müssen. AAP setzt sich weiterhin stark für eine solche Liste ein.

Weitere Informationen:

Mehr Neuigkeiten