Positivliste für Haustiere? Definition, Gesetze & mehr

Diese Seite informiert über aktuelle Haustiergesetze in Deutschland, was die Positivliste für Haustiere ist, und wie diese Tieren und Menschen hilft.

Definition: Was ist eine Positivliste für Haustiere?

Die Positivliste für Haustiere ist eine Liste zugelassener Tierarten, die von unabhängigen Expert:innen als sicher gelten und für die Haltung in Haus und Hof geeignet sind.

Diese Risikobewertungen basieren auf objektiven Kriterien, die z.B. die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere, die öffentliche Gesundheit und Sicherheit und/oder die biologische Vielfalt berücksichtigen können.

Alle Tierarten, die nicht auf der Liste stehen, dürfen nicht gehandelt oder als Haustiere gehalten werden. Dies liegt zum Beispiel daran, dass diese Arten besondere Pflege benötigen, gefährliche Krankheiten übertragen können oder Bedürfnisse haben, die der Mensch zu Hause normalerweise nicht erfüllen kann.

Wie kommt ein Tier auf die Positivliste für Haustiere?

Eine Positivliste bewertet die Haustiertauglichkeit von Tieren. Doch welche Faktoren spielen eine Rolle für ein gutes Haustier? Um die Eignung als Haustier objektiv zu bewerten, nutzt die Positivliste ein transparentes wissenschaftsbasiertes System. 

Die niederländische Positivliste bewertet Risikofaktoren für Menschen und Tiere. Die Gefahr für Menschen wird zuerst untersucht und besteht aus in Zoonosen und Verletzungsrisiko. Liegen hier bereits hohe Risiken vor, können Haustiere verboten werden. Anschließend wird das Wohlbefinden der Tiere in Unterkategorien wie Ernährung, Lebensraum, Temperatur und Sozialverhalten bewertet. 

Eine unabhängige Gruppe aus Expert:innen bewertet nach dieser Methode jede Tierart. Alle Kriterien fließen in eine Gesamtnote von A-F ein. Wobei die Klasse A für kein Risiko und die Klasse F für ein enormes Risiko steht. Tiere, die in dieser Skala mit D-F bewertet werden, dürfen nicht als Heimtiere gehalten werden. Es wird jedoch zwischen domestizierten Tieren und Wildtieren unterschieden. 

Als domestiziert gelten grundsätzlich Arten, die nachweislich seit vielen Jahren vom Menschen gehalten werden, gezielt gezüchtet wurden und über Generationen stabile biologische Unterschiede in Körperbau und Verhalten gegenüber ihren wilden Vorfahren aufweisen. Beispielsweise leben Katzen oder Hunde seit Jahrtausenden mit Menschen zusammen und haben sich an dieses Leben angepasst. Hunde und Katzen sind also auch mit der Positivliste erlaubt und als geeignete Haustiere geführt. 

Hier findet sich als Beispiel die Bewertung des Servals als Haustier:

Beispiel: Servale in der niederländischen Positivliste

Risikobewertung: Menschen
  • Verletzungsgefahr: Ernsthafte Verletzungsgefahr. Angriffe teils ohne ersichtlichen Grund.
  • Zoonosengefahr: Hochriskante Zoonoseerreger nachgewiesen.
Risikobewertung: Tierschutz / Tierwohl
  • Ernährung: Tägliche lange Jagd von Nagetieren, Reptilien und Amphibien.
  • Lebensraum: Territorial (ca. 6,2 km²)
  • Sicherheit: Servale nutzen abgelegene Verstecke um sich auszuruhen und ihren Nachwuchs aufzuziehen.
  • Temperatur: (Sub)tropischen Klima, nicht unter 5°C sinken.
  • Sozialverhalten: Keine Risiken
Urteil:
Servale können Menschen schwer verletzen und zeigen Risikos in drei Kategorien. Sie sind Tiere mit hohem Risiko (Stufe F) und nicht als Haustiere geeignet.

Was sind Gründe für eine Positivliste für Heimtiere?

Tierleid bzw. Tierwohl

Wie Menschen haben auch Tiere bestimmte Ansprüche an ihre Umgebung und Pflege. Dabei haben Wildtiere besonders hohe Bedürfnisse, da sie im Gegensatz zu Hund und Katze nicht in einem langen Prozess domestiziert wurden. Wildtiere haben noch immer dieselben Ansprüche und Verhaltensweisen wie ihre wild lebenden Verwandten.

Meist können diese Bedürfnisse in Privathand nicht erfüllt werden oder es bedarf spezieller Kenntnisse, viel Geld und Zeit. Für die Tiere bedeutet das häufig großes Tierleid. Für Privatpersonen werden exotische Tiere daher schnell zu einer großen Belastung.

2021 rettete AAP 120 Degus aus einer Wohnung. Die Besitzer:innen der Nagetiere aus Chile hatten die Tiere eng aneinander in ein Aquarium gepfercht, das komplett voller Exkremente war. Zwischen den Tieren fanden sich Beine, Ohren und Leichenteile anderer Degus. In der Wildnis sind Degus reine Pflanzenfresser. Hier, in ihrer Verwahrlosung, sind die Tiere jedoch kannibalistisch geworden und haben sich gegenseitig aufgefressen.

Die Besitzer:innen hatten dabei mit nur wenigen Tieren angefangen und dann die Kontrolle verloren. Die Degus vermehrten sich rasant und wurden dann ihrem Schicksal überlassen. In der Natur hätten sich vier bis acht Degus als Familie ein Gebiet von über 200 Quadratmetern geteilt. Als Haustiere mussten sie in einem kleinen Aquarium dahinsiechen.

Der Handel mit exotischen Tieren ist erschreckend unreguliert. Selbst vom Aussterben bedrohte Tierarten können problemlos über das Internet bestellt werden. Gleichzeitig gibt es keinerlei Aufklärung über die Verantwortung und die Gefahren, die mit dem Kauf eines solchen Tieres verbunden sind. So wird im Verkaufstext aus einem Wildtier schnell ein kuscheliges Haustier.

Für den Kauf von exotischen Haustieren ist dabei kein Sachkundenachweis erforderlich. Jeder Mensch kann einen Löwen im Internet  bestellen. Die Tierschutzorganisation Pro WildLife hat sich den Handel von exotischen Tieren im Internet angeschaut und festgestellt, dass alleine über 2000 exotische Säugetiere pro Jahr verkauft werden – Tendenz steigend. Weitere Informationen gibt es in der Studie: „Endstation Wohnzimmer“.

Gefährdung der Artenvielfalt​

Noch immer werden viele exotische Tiere, die in Deutschland als Haustiere angeboten werden, in der freien Natur eingefangen. Dabei stellt der Wildtierhandel aufgrund der immensen Nachfrage eine potenzielle Gefahr für verschiedene Tierarten weltweit dar. Obwohl es in Deutschland selbst verboten ist, heimische Wildtiere zu fangen, dürfen Wildfänge aus anderen Ländern hierzulande beinahe ohne Einschränkungen gehandelt und gehalten werden – selbst wenn diese im Herkunftsland national geschützt sind. Dabei stellt nicht nur der Fang der Tiere eine Bedrohung für das Überleben der Tierart in freier Wildbahn dar. Denn: beim Fang wird teilweise auch der Lebensraum zerstört, da Tierbaue geöffnet oder Felsspalten gesprengt werden.


Kurz nach ihrer Geburt wurden Elsa und Marley ihrer Mutter entrissen und im Internet als Schoßkätzchen verkauft. Dann kamen die jungen Löwen nach Deutschland. Statt als Herrscher der Savannah verbrachten sie ihr Leben in einem kleinen Bretterverschlag.

Doch zum Glück konnten die beiden entkommen. Passanten entdecken die verängstigten Geschwister und riefen die Feuerwehr. Das Veterinäramt kam hinzu und es stellte sich raus, dass der Besitzer keine Papiere für die Löwen hatte.

Nach einem Zwischenstopp im Magdeburger Zoo landeten Elsa und Marley bei AAP in Spanien. Hier durften sie endlich wieder Löwen sein.

Für die Erhaltung von Tierarten ist die Zucht in Gefangenschaft sehr wichtig. Untersuchungen zeigen jedoch, dass es dazu Profis bedarf. Tiere aus privater Haltung eignen sich in der Regel nicht für eine Auswilderung. Spezialisierte Zoos oder Reservate sind jedoch für die Arterhaltung entscheidend und sehr erfolgreich.

Oft wird auch die Lebenserwartung in Gefangenschaft thematisiert. Da es keine natürlichen Feinde gibt, ist die Lebenserwartung einiger Tierarten in Gefangenschaft tatsächlich höher als in freier Wildbahn. Leider gilt dies nur für wenige Tierarten. Eine wissenschaftliche Studie hat jedoch gezeigt, dass die Lebenserwartung von Tieren in Gefangenschaft deutlich niedriger sein kann. Tiere, die in freier Wildbahn bis zu 120 Jahre alt werden können, sterben in Gefangenschaft bereits innerhalb eines Jahres.

Baby-Berberaffen werden von Wilderern aus der Natur gerissen und illegal verkauft.

Born to be Wild ist ein internationales Artenschutzprojekt, um das Überleben der Berberaffen zu sichern. AAP hat das Projekt 2018 in enger Zusammenarbeit mit dem IFAW (International Fund for Animal Welfare) und vielen anderen Organisationen ins Leben gerufen.

Mehr zu Born to be Wild

Verdrängung einheimischer Tiere

Exotische Haustiere können auch eine Gefahr für unsere heimische Artenvielfalt darstellen, beispielsweise, wenn die Tiere entkommen oder ausgesetzt werden. Gebietsfremden Tiere können unsere heimische Flora und Fauna nachhaltig schädigen und teilweise sogar zerstören, beispielsweise indem sie Krankheiten einschleppen oder invasive Arten unsere heimischen Arten verdrängen. Von 1960-2020 entstanden durch invasive Arten in der EU Schäden in Höhe von 116,61 Milliarden Euro – die Tendenz stark steigend.

„Knallt sie alle ab!“ forderte das niederländische Parlament als die erste Gruppe Waschbären gesichtet wurde. Die Tiere gelten als große Gefahr für die lokale Natur. AAP schritt ein und rettete 46 Waschbären vor dem Tod.

Den Waschbären wurde damals unterstellt, dass sie über die deutsche Grenze gekommen seien. Später stellte sich heraus, dass die Tiere zu keiner bekannten deutschen oder europäischen Population gehörten. Wie genau sie in die Niederlande gekommen sind, bleibt unklar.

Der Schutz lokaler Biodiversität ist essenziell, um Lebensräume zu erhalten. In diesem Fall konnte eine nicht-tödliche Lösung gefunden werden, da die Waschbärengruppe früh genug entdeckt wurde. Die geretteten Tiere waren außerdem zu 59% mit einem gefährlichen Spulwurm infiziert, der zu Hirnentzündungen oder dem Tod beim Menschen führen kann. Durch unsere Rettung wurden also nicht nur die Leben von Tieren gerettet.

Um die heimische Natur und ihre Bewohner zu schützen, werden in Deutschland große Anstrengungen unternommen. Es werden Schutzgebiete eingerichtet und Populationen kontrolliert (z.B. die oben erwähnte Waschbärenjagd). Die ständige Neuanschaffung von exotischen Haustieren untergräbt jedoch diese Bemühungen und setzt Tiere unnötigem Leid aus. Derzeit wird der durch invasive Arten verursachte Schaden in Deutschland auf über 8 Milliarden Euro geschätzt.


In der Regel können nur frühzeitig erkannte invasive Tierarten überhaupt bekämpft werden. Einzelne Tiere können gefangen und umgesiedelt werden. Ist eine Art jedoch bereits etabliert, kann ihre Ausbreitung nur noch verlangsamt werden.


Da die Bekämpfung invasiver Arten sehr aufwendig ist, rät auch das zuständige Bundesamt für Naturschutz zum Vorsorgeprinzip. Der wichtigste Schritt zum Schutz der heimischen Flora und Fauna ist die Verhinderung der Ausbreitung neuer invasiver Arten. Probleme sollen also verhindert werden, bevor sie entstehen – ganz im Sinne der Positivliste für Haustiere.

Gesundheitsgefährdung

Manche Wildtiere wie Löwen, Affen oder Giftschlangen stellen aufgrund ihrer Körperkraft oder ihres Gifts eine potenzielle Gefahr für Mensch und Tier dar. Darüber hinaus können manche Tiere Krankheiten, sogenannte Zoonosen, auf den Menschen übertragen. Die Forschung geht davon aus, dass 75 % aller neuen Krankheiten durch den Kontakt von Menschen und Tieren entstehen. 75 % dieser Zoonosen stammen von Wildtieren.

Im Jahr 2015 sterben drei Deutsche in Sachsen-Anhalt an einer schweren Gehirnentzündung durch ein unbekanntes Virus. Einige Zeit später sterben zwei weitere Menschen. Es stellt sich raus, dass es sich um eine Form des Borna-Virus (VSBV-1) handelt, die so noch nie nachgewiesen wurden.

Die drei Deutschen züchteten exotische Bunthörnchen (Sciurus variegaoides) und hatten sich bei ihren Tieren angesteckt. Später starben auch die beiden Tierpfleger.

Wie sich die Menschen angesteckt haben, ist nicht sicher. Möglicherweise durch Kratzer oder Bisse. Der Virus könnte aber auch über die Schleimhäute aufgenommen worden sein. Bis heute konnte der Virus nicht in heimischen Eichhörnchen, sondern nur in exotischen Baumhörnchen nachgewiesen werden. Der genaue Ursprung des Virus ist unbekannt. ​

Neben der Gefahr durch Krankheiten sind viele exotische Tierarten auch in der Lage, dem Menschen direkt Schaden zuzufügen. Scharfe Krallen, Zähne oder schiere Körperkraft können schwerste Verletzungen verursachen. Bei der Anschaffung von Jungtieren wird diese Tatsache schnell verdrängt. Die Niedlichkeit überwiegt und dadurch überschätzen die Besitzer ihre eigenen Fähigkeiten. Doch schon wenige Wochen später nehmen Kraft und Temperament der Tiere zu und plötzlich hat man einen lebensgefährlichen Mitbewohner.


Nicht nur unerfahrene Tierhalter und Kinder sind hier gefährdet. Auch für Kenner der Tierart bleibt ein hohes Risiko. So haben Studien gezeigt, dass z.B. Servale in Gefangenschaft Gewalt irrational anwenden. So setzen sie ihre Zähne und Krallen nicht nur in Bedrohungssituationen ein, sondern greifen teilweise ohne Vorwarnung und ohne Grund an.

Wie steht Deutschland zu exotischen Haustieren?

Verschiedene Studien zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen die Haltung von exotischen Heimtieren ablehnt. So z.B. eine repräsentative Online-Umfrage mehrerer Tier- und Artenschutzorganisationen:

Eine aktuelle Online-Umfrage mehrerer Tier- und Artenschutzorganisationen zeigt, dass die Haltung von exotischen Wildtieren im heimischen Wohnzimmer von einer Mehrheit der Deutschen abgelehnt wird.
Eine aktuelle Online-Umfrage mehrerer Tier- und Artenschutzorganisationen zeigt, dass die Haltung von exotischen Wildtieren im heimischen Wohnzimmer von einer Mehrheit der Deutschen abgelehnt wird.
Eine Studie der Eurogroup for Animals kam bereits 2020 zu ähnlichen Ergebnissen. 86 Prozent der Deutschen lehnen, laut Studie, die Haltung von exotische Haustiere ab. 94 Prozent sind zudem der Meinung, dass der Handel mit exotischen Tieren stärker reguliert werden sollte. Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich stärkere Regulierungen von Handel und Haltung exotischer Haustiere. Momentan ist die Gesetzeslage in Deutschland jedoch sehr unübersichtlich.

Welche Gesetze gelten in Deutschland?

Deutschland hat kein einheitliches System, um die Haltung von Haustieren zu regeln. Stattdessen nutzen einzelne Bundesländer Negativlisten für Haustiere. So sind in 7 von 16 Bundesländern Löwen als Haustiere erlaubt. Zusätzlich regelt das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) den Handel mit einigen Tierarten.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen

Überall in Deutschland gilt seit 1975 das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (auch CITES genannt). Dieses Übereinkommen schützt Arten durch Handelsregulierungen. Elefanten, Schimpansen und 5000 andere Tierarten (von insgesamt ca. 8,7 Millionen bekannten Arten) sind in CITES erhalten und dürfen in Deutschland nur mit entsprechenden Herkunftsnachweisen gehandelt werden. Alle anderen Tiere dürfen aber weiterhin frei gehandelt werden. Das Wohlergehen dieser Tiere spielt im Washingtoner Artenschutzübereinkommen keine Rolle. 

Problematisch ist auch die Datenlage zu vielen exotischen Tieren. Oft ist die Anzahl der verbleibenden Tiere unbekannt oder schwer zu schätzen. Tierarten können vom Aussterben bedroht sein, ohne dass wir es merken. Insbesondere bei vielen Amphibien oder Reptilien sind die Erhaltungszustände nur schwer zu ermitteln. Gefährdete Tiere könnten so dennoch ohne Einschränkungen den Weg in den Zoohandel finden. 

Gleichzeitig wird die Eignung eines Tieres als Haustier in keiner Weise bewertet. Laut CITES wäre es beispielsweise möglich, Löwen als Haustiere zu halten, da sie nicht vom Aussterben bedroht sind. Da das Washingtoner Artenschutzübereinkommen weder Tierschutz, Gefahren noch Biodiversität berücksichtigt, haben viele Bundesländer zusätzliche eigene Gesetze entwickelt, um diese Schwächen auszubessern. Diese unterscheiden sich jedoch teils extrem

Flickenteppich Tierschutzgesetze

Da das Washingtoner Artenschutzübereinkommen weder Tierschutz, Gefahren noch Biodiversität berücksichtigt, haben viele Bundesländer zusätzliche eigene Gesetze entwickelt, um diese Schwächen auszubessern. Diese unterscheiden sich jedoch teils extrem. 

Die unterschiedlichen Gesetze der Bundesländer verwirren Tierhalter:innen und Behörden. Einheitliche Tierschutzstandards und Behandlungsstandards können so nicht gewährleistet werden. Unterschiedliche Regulierungen erschweren außerdem die Maßnahmendurchsetzung, da Koordinierung und Informationsaustausch schwieriger werden. Die Überwachung, Meldung und der Qualifikationsnachweis der Halter:innen werden ähnlich stiefmütterlich behandelt. So können Schlupflöcher entstehen und Gesetze ausgenutzt werden. Verstößt eine Person gegen Tierschutzgesetze, gelten die Konsequenzen im benachbarten Bundesland nicht. Ausgesprochene Verbote schrecken ungeeignete Halter:innen daher kaum ab.


Dies zeigt sich auch im Handel mit exotischen Tieren. Verbotene Tierarten können problemlos im Nachbarbundesland erworben werden. Da diese Tiere nie bei Behörden registriert werden, können diese auch keinerlei Kontrollen ausüben. Es zeigt sich, dass regionale Gesetze die (inter-)nationalen Probleme mit exotischen Haustieren nicht lösen können. Eine Umstellung auf eine bundesweite Positivliste würde Klarheit schaffen, Tierleid verhindern und Menschen schützen.

Ist eine Positivliste legal möglich in Deutschland?

Ja, eine Positivliste ist nicht nur möglich, sie stellt auch ein besonders geeignetes Instrument zur Regulierung von Handel und Haltung von exotischen Heimtieren dar. Zu diesem Schluss kommt ein Rechtsgutachten, dass 2022 von AAP und anderen Tierschutzorganisationen in Auftrag gegeben wurde. Dieses zeigt, dass eine Positivliste nicht nur legal möglich ist, sondern auch überfällig ist.

Die Positivliste für Haustiere in der EU

Exotische Haustiere sind nicht nur in Deutschland ungenügend reguliert. Immer mehr Länder erkennen das Problem und arbeiten an Lösungen. In der EU gibt es bereits zehn Staaten, die eine Positivliste für Haustiere eingeführt oder verabschiedet haben. Diese berichten durchweg von besseren Regulierungen im Handel und Besitz von exotischen Tieren.

Mit einer Positivliste erfindet Deutschland das Rad also nicht neu. Stattdessen können die Erfahrungen anderer Länder genutzt werden, um die perfekte Lösung für Deutschland zu schaffen.

Unsere Forderung

Es braucht eine deutschlandweite Positivliste für Heimtiere, um Tierleid nachhaltig vorzubeugen.

Darin beurteilen unabhängige Fachleute, welche Tiere sich als Haustiere eignen. Diese Liste wird regelmäßig aktualisiert und beinhaltet Übergangsfristen für vorhandene Haustiere.

Aktuelle Gesetze lösen die Probleme mit exotischen Haustiere nicht. Einzelne Bundesländer versuchen, erfolglos ein deutschlandweites Problem zu lösen.

Fragen und Antworten

Nein, das ist nicht der Fall und das fordern wir auch nicht. Hier greift der Bestandsschutz: Privathalter:innen sollen ihre exotischen Haustiere behalten, wenn sie diese bereits zum Zeitpunkt der Einführung der Positivliste besitzen und sie richtig verpflegen. Jedoch wird die weitere Zucht dieser Tiere verboten.

Nein, diese Befürchtung hat sich in der Vergangenheit nicht bestätigt. Beispielsweise verzeichnet Belgien, das als erstes EU-Land 2009 eine Positivliste für Säugetiere eingeführt hat, bis heute keinen Anstieg im illegalen Tierhandel. So gab es von 2009 bis 2014 nur 22 Beschlagnahmungen. Anstatt den Schwarzmarkt für exotische Tiere zu stärken, wurde vielmehr die Bekämpfung des illegalen Handels vereinfacht, da der Vollzug vereinfacht wurde.

Der internationale Lebendtierhandel für den Heimtiermarkt kann eine Bedrohung für wildlebende Tierarten darstellen. Denn nicht alle Tiere, die in Deutschland als Heimtiere angeboten werden, stammen aus Nachzuchten. Viele Tiere werden nach wie vor in freier Wildbahn gefangen, so stammen beispielsweise rund 90 Prozent der Reptilienarten im Heimtierhandel nach wie vor aus der freien Wildbahn. Wenn der Handel bzw. die private Haltung solcher Tiere In Deutschland nicht mehr legal möglich ist, nimmt daher auch der Fang im Herkunftsland ab. 

Die Erhaltung von Tierarten außerhalb ihres eigenen Lebensraumes (ex situ) kann punktuell sehr wichtig sein. Hierbei benötigt es jedoch professionelle Expertise, die z.B. spezialisierte Zoos und Reservate auf der ganzen Welt bereits erfolgreich einsetzen. Essenziell ist hierbei, dass die Tiere nicht nur vermehrt werden, sondern wieder in die Wildnis gelangen, also ausgewildert werden. 

Die private Zucht ist jedoch größtenteils auf den kommerziellen Handel ausgerichtet und orientiert sich an Angebot und Nachfrage. Arterhaltung und Biodiversität spielen eine untergeordnete Rolle. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die private Zucht von exotischen Haustieren in der Regel nicht zur Arterhaltung beiträgt, da Nachkommen aus privater Zucht in der Regel nicht für die Auswilderung geeignet sind.

Ja, Expert:innen sind von einer Positivliste ausgenommen. Sie müssen lediglich ihre Expertise nachweisen und können somit Ausnahmen für einzelne Tierarten beantragen. Expert:innen können so unter Nachweise auch Tierarten halten, die nicht auf der Positivliste stehen. Laien ist die Haltung dieser Tierarten jedoch nicht möglich.  

Die Tatsache, dass bestimmte exotische Arten häufig als Haustiere gehalten werden, ist kein Kriterium für ihre Eignung als Heimtiere und ihre Aufnahme in die Positivliste. Privathalter:innen kann es an Wissen über die mit bestimmten Arten verbundenen Risiken (z.B. Zoonosen) oder über die artgerechte Haltung mangeln. Ob eine Art für die Aufnahme in eine Positivliste geeignet ist, wird von Expert:innen anhand objektiver Kriterien aus den folgenden Bereichen beurteilt: Tierwohl, Arten- & Naturschutz, öffentlicher Gesundheit und Sicherheit. So kann es sein, dass bestimmte exotische Arten, die als Haustiere weithin akzeptiert sind, nicht in eine Positivliste aufgenommen werden.  

Wichtig: Positivlisten betreffen nur die Neuanschaffung bzw. Zucht von Haustieren. Bestehende Haustiere können also weiterhin gehalten werden bzw. Haustiere, die bereits vor der Einführung der Positivliste gehalten wurden, werden nicht weggenommen. 

Eine Positivliste ist im Allgemeinen ein rechtliches Instrument zur Beurteilung der Eignung von Tierarten als Haustiere. Sie kann prinzipiell für alle Tiergruppen erstellt werden, das heißt sowohl für Säugetiere als auch für Reptilien, Amphibien, Vögel, Fische, etc.. 

Die meisten Länder, die eine Positivliste eingeführt haben, haben im ersten Schritt mit einer Positivliste für Säugetiere begonnen. 

Tierleid   

Wie Menschen haben auch Tiere bestimmte Ansprüche an ihre Umgebung und Pflege. Dabei haben Wildtiere besonders hohe Bedürfnisse, da sie im Gegensatz zu Hund und Katze nicht in einen langen Prozess domestiziert wurden. Wildtiere haben noch immer dieselben Ansprüche und Verhaltensweisen wie ihre wild lebenden Verwandten. Meist können diese Bedürfnisse in Privathand nicht erfüllt werden oder es bedarf spezieller Kenntnisse, viel Geld und Zeit. Für die Tiere bedeutet das häufig großes Tierleid. Für Privatpersonen werden exotische Tiere schnell zu einer großen Belastung.   

   

Gefährdung der Artenvielfalt    

Noch immer werden viele exotische Tiere, die in Deutschland als Haustiere angeboten werden in der freien Natur eingefangen. Dabei stellt der Wildtierhandel aufgrund der immensen Nachfrage eine potenzielle Gefahr für verschiedene Tierarten weltweit dar. Obwohl es in Deutschland selbst verboten ist, heimische Wildtiere zu fangen, dürfen Wildfänge aus anderen Ländern hierzulande beinahe ohne Einschränkungen gehandelt und gehalten werden – selbst, wenn diese im Herkunftsland national geschützt sind. Dabei stellt nicht nur der Fang der Tiere eine Bedrohung für das Überleben der Tierart in freier Wildbahn dar, denn beim Fang wird teilweise auch der Lebensraum zerstört, da Tierbaue geöffnet oder Felsspalten gesprengt werden.   

   

Verdrängung  

Exotische Haustiere können auch eine Gefahr für unsere heimische Artenvielfalt darstellen, beispielsweise, wenn die Tiere entkommen oder ausgesetzt werden. Gebietsfremden Tiere können unsere heimische Flora und Fauna nachhaltig schädigen und teilweise sogar zerstören, beispielsweise indem sie Krankheiten einschleppen oder invasive Arten unsere heimischen Arten verdrängen. Von 1960-2020 entstanden durch invasive Arten in der EU-Schäden in Höhe von 116,61 Milliarden Euro – die Tendenz stark steigend.   

   

Gesundheitsgefährdung   

Manche Wildtiere wie Löwen, Affen oder Giftschlangen stellen aufgrund ihrer Körperkraft oder ihres Gifts eine potenzielle Gefahr für Mensch und Tier dar. Darüber hinaus können manche Tiere Krankheiten, sogenannte Zoonosen, auf den Menschen übertragen. Die Forschung geht davon aus, dass 75 % aller neuen Infektionskrankheiten von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Wiederum 75 % dieser Zoonosen stammen von Wildtieren.  

Die Positivliste bezieht sich auf Tiere, die als Haustiere gehalten werden, und gilt daher nicht für Zoos und Tierparks. Diese unterliegen gesonderten nationalen und europäischen Regelungen. 

In Deutschland definiert das Bundesnaturschutzgesetz, was ein Zoo ist. Danach ist ein Zoo eine Einrichtung, in der mehr als 20 lebende Tiere wild lebender Arten an mehr als sieben Tagen im Jahr zur Schau gestellt und zu diesem Zweck gehalten werden. In Deutschland gibt es rund 800 Zoos. Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt in Anlehnung an die EU-Zoorichtlinie vor, dass die Bedürfnisse der Tiere zu berücksichtigen und die Bevölkerung für die Bedeutung der biologischen Vielfalt und des Artenschutzes zu sensibilisieren ist.  

Eine Positivliste bewertet die Haustiertauglichkeit von Tieren basierend auf verschiedenen Faktoren. Doch welche Faktoren spielen eine Rolle für ein gutes Haustier? Um die Eignung als Haustier objektiv zu bewerten, nutzt die Positivliste ein transparentes wissenschaftsbasiertes System.  

Beispielsweise bewertet die niederländische Positivliste Risikofaktoren für Menschen und Tiere. Es wird jedoch zwischen domestizierten Tieren und Wildtieren unterschieden. Als domestiziert gelten grundsätzlich Arten, die nachweislich seit vielen Jahren vom Menschen gehalten werden, gezielt gezüchtet wurden und über Generationen stabile biologische Unterschiede in Körperbau und Verhalten gegenüber ihren wilden Vorfahren aufweisen. Beispielsweise leben Katzen oder Hunde seit Jahrtausenden mit Menschen zusammen und haben sich an dieses Leben angepasst. Hunde und Katzen sind also auch mit der Positivliste erlaubt und als geeignete Haustiere geführt. 

Die Gefahr für Menschen wird zuerst untersucht und wird in Zoonosen und Verletzungsrisiko unterteilt. Liegen hier bereits hohe Risiken vor, spricht das gegen eine Aufnahme in die Positivliste. Anschließend werden die biologischen und psychologischen Bedürfnisse der Tiere in Unterkategorien wie Ernährung, Lebensraum, Temperatur und Sozialverhalten bewertet.  

Eine unabhängige Gruppe aus Expert:innen bewertet nach dieser Methode jede Tierart. Alle Kriterien fließen in eine Gesamtnote von A-F ein. Wobei die Klasse A für kein Risiko und die Klasse F für ein enormes Risiko steht. Tiere, die in dieser Skala mit D-F bewertet werden, kommen nicht auf die Liste.

Als zuständiges Ministerium für den Tierschutz liegt es am Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft einen Gesetzesvorschlag zu entwickeln. Mit der momentanen Novellierung des Tierschutzgesetzes ist der perfekte Zeitpunkt, um den Schutz von exotischen Haustieren via Positivliste gesetzlich zu verankern. Das Bundesministerium muss nun endlich handeln.  

Erfahrungswerte aus anderen EU-Ländern zeigen, dass die Einführung einer Positivliste nicht zu einem großen Ansturm auf exotische Haustiere führt.  

Hierbei ist auch die klare Botschaft der Positivliste nicht zu vernachlässigen. Unabhängige Expert:innen definieren wissenschaftlich nachvollziehbar, warum bestimmte Tiere auf keinen Fall gehalten werden sollten bzw. nicht gekauft werden sollten. Diese Klarheit und Nachvollziehbarkeit kann Sicherheit geben, und ein grundsätzliches Umdenken in der Bevölkerung erzeugen.  

In Deutschland gibt es bisher keine bundeseinheitlichen Regelungen für den Handel mit und die Privathaltung von exotischen Haustieren. Neun Bundesländer haben auf diesen Missstand bereits reagiert und Gefahr- bzw. Gifttierverordnungen erlassen. Diese Regelungen unterscheiden sich jedoch teils stark voneinander, beispielsweise umfasst das Gifttiergesetz in NRW nur giftige Tiere, die Haltung von gefährlichen Tieren wie Löwen oder Krokodilen ist weiterhin erlaubt. 

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Auf dem Bild sieht man AAPs Pressesprecher Patrick Müller vor dem Schild mit dem Affenlogo von AAP.

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