Berberaffe Filix: Die Narbe eines Lebens als Haustier

Zwei Berberaffen wurden aus privater Haltung in Deutschland gerettet. Bei der tierärztlichen Untersuchung von Filix machten die Tierärzte jedoch eine erschütternde Entdeckung: Eine offene Wunde und eine markante Narbe an seinem Bauch erzählen bis heute die Geschichte seiner Vergangenheit als Haustier.

Rettung aus privater Haltung in Deutschland

Die Berberaffen Filix und Xarly wurden kürzlich in der AAP-Rettungsstation in Spanien aufgenommen. Ihre ehemalige Halterin hatte die Tiere von ihren Eltern geerbt und fragte AAP nach Hilfe, nachdem ihr klar geworden war, dass sie den besonderen Bedürfnissen der beiden Primaten nicht gerecht werden konnte. Die Tiere stammten aus einer Familie, die über viele Jahre verschiedene Tiere hielt und diese teilweise für Vorführungen einsetzte. Während frühere Berberaffen der Familie für Unterhaltungszwecke genutzt wurden, wurden Filix und Xarly später als Haustiere gehalten. Nach dem Tod der ursprünglichen Besitzer versuchte die Tochter zunächst, die Tiere weiter zu versorgen. Doch die Anforderungen an Haltung, Pflege und Sicherheit erwiesen sich als zu groß. Schließlich entschied sie sich, die beiden Affen an AAP abzugeben.

Tierärztliche Untersuchung offenbart schwere Verletzungen

Kurz nach ihrer Ankunft wurden Filix und Xarly umfassend tierärztlich untersucht. Dabei machte das Veterinärteam bei Filix eine erschütternde Entdeckung.

An seinem Bauch fanden die Tierärzte eine offene Wunde sowie eine deutlich sichtbare quer verlaufende Verformung des Bauchbereichs. Die Verletzung passt zu einem Geschirr, das Filix während seiner Zeit als Haustier regelmäßig tragen musste.

Die Wunde, die wir bei Filix gefunden haben, passt zu dem Geschirr, das er in seiner Vergangenheit als Haustier getragen hat. Die Wunde ist in der Mitte noch offen, während die Enden bereits verheilt sind. Außerdem hat sich das Fettgewebe im Bauchbereich verformt.

Die Narbe ist bis heute deutlich sichtbar und erinnert an die Jahre, die Filix in ungeeigneten Haltungsbedingungen verbringen musste.
Die Wunde ist in der Mitte noch nicht vollständig verheilt.
Deutlich sichtbar ist eine markante quer verlaufende Narbe auf Filix' Bauch.

Die sichtbaren Folgen eines Lebens in Gefangenschaft

Filix war nicht der einzige Berberaffe der Familie, der ein Geschirr tragen musste. Mehrere Affen wurden über längere Zeit auf diese Weise gehalten. Während Xarly glücklicherweise von dieser Praxis verschont blieb, trägt Filix die körperlichen Folgen bis heute auf seiner Haut.

Solche Fälle sind für die Spezialisten von AAP leider keine Ausnahme. Immer wieder werden Primaten aufgenommen, die unter den Folgen jahrelanger Privathaltung leiden. Manche Tiere zeigen schwere Verhaltensstörungen, andere leiden unter dauerhaften körperlichen Schäden, die durch zu kleine Gehege, Bewegungsmangel oder ungeeignete Hilfsmittel wie Halsbänder und Geschirre verursacht wurden.

Berberaffen sind keine Haustiere

Der Berberaffe (Macaca sylvanus) ist ein hoch sozialer Primat. In freier Wildbahn leben Berberaffen in komplexen Gruppen von bis zu 60 Tieren. Sie pflegen enge soziale Beziehungen, verbringen viel Zeit mit gegenseitiger Fellpflege und bewegen sich in weitläufigen Lebensräumen in den Gebirgsregionen Marokkos und Algeriens.

Diese natürlichen Bedürfnisse können in einem privaten Haushalt nicht erfüllt werden. Fehlender Kontakt zu Artgenossen, mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten und begrenzter Bewegungsraum führen häufig zu chronischem Stress und Verhaltensauffälligkeiten.

Hinzu kommt, dass Berberaffen mit zunehmendem Alter ihre natürlichen Verhaltensweisen entwickeln. Tiere, die als niedliche Jungtiere angeschafft werden, werden später deutlich kräftiger und schwieriger zu handhaben. Viele Halter sind mit dieser Entwicklung überfordert. 

Berberaffe mit einem Schnuller.
Zu wenig Platz, zu wenig Gesellschaft

Vor ihrer Rettung lebten Filix und Xarly in Deutschland in einem Innen- und Außengehege von jeweils lediglich rund 16 Quadratmetern. Für eine Tierart, die in freier Wildbahn große Territorien nutzt und in sozialen Gruppen lebt, sind solche Bedingungen völlig unzureichend.

Die Kombination aus eingeschränktem Lebensraum, fehlender sozialer Interaktion und mangelnder Beschäftigung kann bei Primaten erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen. Viele Tiere entwickeln stereotype Verhaltensweisen, Ängste oder körperliche Beschwerden.

Das ehemalige Gehege von Xarly und Filix in Deutschland.
Ein Neuanfang für Filix und Xarly
Heute sind Filix und Xarly in Sicherheit. Beide verbringen zunächst eine Quarantänezeit im AAP Rescue Center, wo sie medizinisch betreut und sorgfältig beobachtet werden. Dadurch können mögliche Krankheiten ausgeschlossen und individuelle Bedürfnisse ermittelt werden. Anschließend sollen die beiden Berberaffen schrittweise mit Artgenossen vergesellschaftet werden. Die erfahrenen Primatenpfleger und Verhaltensspezialisten von AAP werden sie auf diesem Weg begleiten. Ziel ist es, den Tieren ein möglichst artgerechtes Leben in sozialer Gemeinschaft zu ermöglichen – etwas, das ihnen viele Jahre lang verwehrt geblieben ist.
Berberaffe Filix während der Rettung.
Berberaffe Filix in der Quarantäne bei AAP.
Deutschland braucht bessere Gesetze: Berberaffen sind keine Haustiere
Der Fall von Filix und Xarly zeigt auch ein grundlegendes Problem: In Deutschland ist es genauso einfach, einen Berberaffen zu erwerben wie ein Kaninchen. Verbindliche Sachkundenachweise und klare Positivlisten fehlen bislang. Auch in vielen anderen europäischen Ländern können Wildtiere noch immer relativ leicht als Haustiere gehalten werden. AAP setzt sich deshalb für sogenannte Positivlisten ein. Diese legen wissenschaftlich begründet fest, welche Tierarten überhaupt für die private Haltung geeignet sind. Länder wie Belgien, Luxemburg und die Niederlande haben bereits entsprechende Regelungen eingeführt. Aus Sicht von AAP sind solche Maßnahmen entscheidend, um das Leid tausender Wildtiere zu verhindern und gleichzeitig Risiken für Mensch, Tier und Artenschutz zu reduzieren.

Über AAP

AAP – Animal Advocacy and Protection – ist eine europäische Tierschutzorganisation mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Rettung und Rehabilitation exotischer Säugetiere. In unseren Tierheimen versorgen wir 500 Wildtiere und erleben täglich die Folgen unzureichender Regulierung – für Tiere, Umwelt und Gesellschaft. Als fachkundige Organisation verstehen wir uns als Partner zur Entwicklung von praxistauglichen und präventiven Lösungen zum Schutz von exotischen Tieren.

Das Gelände der AAP Rettungsstation in Spanien.
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