Sechs Tiger aus Privathaltung in Sachsen gerettet

Sie wurden in Zirkuswagen auf einem Industriegelände in Sachsen geboren und großgezogen. Jetzt laufen sie durch ein Außengehege mit Naturboden, Badebecken und mehreren Rückzugsbereichen. Es ist die größte Tigerrettung, die AAP je in Deutschland durchgeführt hat: Sechs Tiger aus einer sächsischen Privatanlage sind aktuell auf dem Weg in die AAP-Rettungsstation in Spanien und damit in Sicherheit. Hier können sie den Rest ihres Lebens in artgerechter Haltung verbringen. AAP bedankt sich für die erfolgreiche Kooperation mit den zuständigen Behörden.

Ein neues Leben unter artgerechten Bedingungen

Fünf Jungtiere im Alter von ca. zwei Jahren wurden aufgrund von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz von der zuständigen Veterinärbehörde beschlagnahmt. Laut Behörden sollen die Haltungsbedingungen in der Anlage nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprochen haben. Die Mutter der Jungtiere wurde beschlagnahmt, da für sie keine Artenschutzbescheinigung vorlag. Diese ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz erforderlich, um die legale Herkunft dieser vom Aussterben bedrohten Art nachzuweisen.

Bei AAP leben die sechs Tiger nun auf einem gemeinsamen Außengehege von 3.000 m², so groß wie vier Olympische Schwimmbecken, mit Naturboden, Bademöglichkeit und mehreren Rückzugsbereichen. Das gesetzliche Minimum für eine Gruppe dieser Größe liegt nach dem deutschen Säugetiergutachten bei 600 m². Die Tiere wurden tierärztlich untersucht und befinden sich derzeit in der Quarantäne, die für alle neu aufgenommenen Tiere verpflichtend ist. Die laufenden Kosten für die Gruppe belaufen sich auf rund 660 Euro pro Tag, rund 241.000 Euro im Jahr. AAP finanziert diese Kosten größtenteils durch private Spenden.

Ich freue mich sehr, dass für die sechs Tiger nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Die Tiere haben es mehr als verdient, in einem großzügigen und artgerechten Gelände zu leben, das all ihre Sinne anspricht und ihren Bedürfnissen vollständig gerecht wird. Mein besonderer Dank gilt AAP, Sie haben mit Ihrer engagierten Unterstützung maßgeblich zur Vorbereitung dieser wichtigen Maßnahme beigetragen und somit den Weg für deren Vollzug geebnete. Als Landestierschutzbeauftragte setze ich mich weiterhin mit Nachdruck für klare Haltungsbeschränkungen exotischer Wildtiere wie Tiger ein, um das Wohl der Tiere nachhaltig zu sichern und gleichzeitig die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten.

Zwei weitere Tiger verbleiben vorerst in der Anlage. Die zuständigen Behörden prüfen derzeit die rechtliche Grundlage für eine Übernahme auch dieser Tiere. AAP steht bereit, sie aufzunehmen.

Tiger sind gefährliche Widltiere, die ihren Halter:innen und anderen Tieren immense Verletzungen zufügen können. Sie sind daher nicht als Heimtiere geeignet.

Prävention statt Notlösungen: AAP fordert Positivliste

Die private Haltung von Tigern ist Sachsen nicht grundsätzlich verboten. Eine schlichte Beschlagnahmung war deshalb nicht möglich. Sachsen ist dabei kein Sonderfall: Eine deutschlandweite Regelung zur privaten Wildtierhaltung fehlt, und die Vorgaben unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. AAP empfiehlt daher bundeseinheitliche Regulierungen und sieht in diesem Fall kein Einzelphänomen, sondern ein Symptom eines strukturellen Problems.

Dieser Fall zeigt erneut, dass Tiger schlicht ungeeignet für die private Haltung sind, unabhängig davon, wie engagiert die Besitzer:innen sind. Ohne verbindliche, ausreichende und bundesweit einheitliche Regelungen für die Privathaltung exotischer Tiere werden vergleichbare Vorfälle nicht verhindert werden können.

Daher fordert AAP eine bundesweite Positivliste. Dies ist eine nach wissenschaftlichen Kriterien erstellte Liste von Arten, die sicher und artgemäß gehalten werden können. Alle nicht gelisteten Arten sind als Haustiere ausgeschlossen, um Sicherheit für Tier und Mensch zu gewährleisten. Das Modell wird bereits in 8 EU-Ländern genutzt, z.B. den Niederlanden, und derzeit wird auch eine Einführung auf EU-Ebene geprüft.

Über AAP

AAP – Animal Advocacy and Protection – ist eine europäische Tierschutzorganisation mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Rettung und Rehabilitation exotischer Säugetiere. In unseren Tierheimen versorgen wir 500 Wildtiere und erleben täglich die Folgen unzureichender Regulierung – für Tiere, Umwelt und Gesellschaft. Als fachkundige Organisation verstehen wir uns als Partner zur Entwicklung von praxistauglichen und präventiven Lösungen zum Schutz von exotischen Tieren.

Die Tierärzte von AAP stellen sicher, dass die Tiger gesundheitlich bereit für den Transport sind.
Weitere Informationen:

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