Rettung aus privater Haltung in Deutschland
Tierärztliche Untersuchung offenbart schwere Verletzungen
Kurz nach ihrer Ankunft wurden Filix und Xarly umfassend tierärztlich untersucht. Dabei machte das Veterinärteam bei Filix eine erschütternde Entdeckung.
An seinem Bauch fanden die Tierärzte eine offene Wunde sowie eine deutlich sichtbare quer verlaufende Verformung des Bauchbereichs. Die Verletzung passt zu einem Geschirr, das Filix während seiner Zeit als Haustier regelmäßig tragen musste.
Die Wunde, die wir bei Filix gefunden haben, passt zu dem Geschirr, das er in seiner Vergangenheit als Haustier getragen hat. Die Wunde ist in der Mitte noch offen, während die Enden bereits verheilt sind. Außerdem hat sich das Fettgewebe im Bauchbereich verformt.
Héctor Sanz, Tierarzt bei AAP Spanien
Die sichtbaren Folgen eines Lebens in Gefangenschaft
Filix war nicht der einzige Berberaffe der Familie, der ein Geschirr tragen musste. Mehrere Affen wurden über längere Zeit auf diese Weise gehalten. Während Xarly glücklicherweise von dieser Praxis verschont blieb, trägt Filix die körperlichen Folgen bis heute auf seiner Haut.
Solche Fälle sind für die Spezialisten von AAP leider keine Ausnahme. Immer wieder werden Primaten aufgenommen, die unter den Folgen jahrelanger Privathaltung leiden. Manche Tiere zeigen schwere Verhaltensstörungen, andere leiden unter dauerhaften körperlichen Schäden, die durch zu kleine Gehege, Bewegungsmangel oder ungeeignete Hilfsmittel wie Halsbänder und Geschirre verursacht wurden.
Berberaffen sind keine Haustiere
Der Berberaffe (Macaca sylvanus) ist ein hoch sozialer Primat. In freier Wildbahn leben Berberaffen in komplexen Gruppen von bis zu 60 Tieren. Sie pflegen enge soziale Beziehungen, verbringen viel Zeit mit gegenseitiger Fellpflege und bewegen sich in weitläufigen Lebensräumen in den Gebirgsregionen Marokkos und Algeriens.
Diese natürlichen Bedürfnisse können in einem privaten Haushalt nicht erfüllt werden. Fehlender Kontakt zu Artgenossen, mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten und begrenzter Bewegungsraum führen häufig zu chronischem Stress und Verhaltensauffälligkeiten.
Hinzu kommt, dass Berberaffen mit zunehmendem Alter ihre natürlichen Verhaltensweisen entwickeln. Tiere, die als niedliche Jungtiere angeschafft werden, werden später deutlich kräftiger und schwieriger zu handhaben. Viele Halter sind mit dieser Entwicklung überfordert.
Zu wenig Platz, zu wenig Gesellschaft
Vor ihrer Rettung lebten Filix und Xarly in Deutschland in einem Innen- und Außengehege von jeweils lediglich rund 16 Quadratmetern. Für eine Tierart, die in freier Wildbahn große Territorien nutzt und in sozialen Gruppen lebt, sind solche Bedingungen völlig unzureichend.
Die Kombination aus eingeschränktem Lebensraum, fehlender sozialer Interaktion und mangelnder Beschäftigung kann bei Primaten erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen. Viele Tiere entwickeln stereotype Verhaltensweisen, Ängste oder körperliche Beschwerden.
Ein Neuanfang für Filix und Xarly
Deutschland braucht bessere Gesetze: Berberaffen sind keine Haustiere
Über AAP
AAP – Animal Advocacy and Protection – ist eine europäische Tierschutzorganisation mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Rettung und Rehabilitation exotischer Säugetiere. In unseren Tierheimen versorgen wir 500 Wildtiere und erleben täglich die Folgen unzureichender Regulierung – für Tiere, Umwelt und Gesellschaft. Als fachkundige Organisation verstehen wir uns als Partner zur Entwicklung von praxistauglichen und präventiven Lösungen zum Schutz von exotischen Tieren.


