Exoten als Haustiere

Gerade Deutschland hat ein Problem

Exotische Haustiere in der EU

Flughunde im Wohnzimmer? Geparden im Garten? Ein Kapuzineräffchen im Kinderzimmer? Etwa 500 Millionen Tiere werden in Europa zu Hause gehalten, darunter nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch exotische Säugetiere, Reptilien, Amphibien, Vögel und Fische. Oft ganz legal, auch in Deutschland. Von hier hat AAP inzwischen mehr als 200 Exoten aufgenommen – darunter Berberaffen, Paviane und Schimpansen. Was viele nicht wissen: In Deutschland werden europaweit mit die meisten exotischen Tiere verkauft – und das hat schwerwiegende Folgen.

Tierleid

Exotische Tiere sind als Haustiere häufig ungeeignet. Sie sind an das Leben in der freien Wildbahn angepasst und ihre Versorgung ist so anspruchsvoll, dass die meisten Laien damit überfordert sind. Die Folge: Die Tiere leiden oder sterben vorzeitig. AAP nimmt viele schlecht gehaltene Tiere auf, die zu dick oder zuckerkrank sind, unter verformten Knochen und schwachen Muskeln leiden oder verhaltensgestört sind.

Gefährdung der Artenvielfalt

Der Handel mit exotischen Tieren gefährdet die wild lebenden Arten auf unserer Erde. In Afrika, Asien und Südamerika werden selbst bedrohte Tiere mit Netzen und Fallen gefangen und als „Haustiere“ nach Europa verkauft. Einige Arten sind deshalb vom Aussterben bedroht. Ob ein Tier legal oder illegal gehandelt wird, ist für die Käufer meist nicht zu erkennen.

Verdrängung einheimischer Tiere

Es kommt regelmäßig vor, dass exotische Haustiere entkommen oder von ihren Haltern ausgesetzt werden. Das schadet unserer Natur. Exoten haben in Europa oft keine Feinde, breiten sich aus und verdrängen einheimische Tiere. Ganze Ökosysteme werden so gestört. Die Bekämpfung von invasiven Arten kostet die Europäische Union jedes Jahr geschätzt 12 Milliarden Euro.

Gesundheitsgefährdung

Auch für Menschen bringt die Haltung von exotischen Wildtieren Risiken mit sich. So können einige Arten Menschen ernsthaft verletzen – allein durch ihre Körperkraft, Bisse oder Kratzer. Andere Arten übertragen Krankheitserreger, so geschehen etwa bei der Covid19-Pandemie. Von den exotischen „Haustieren“, die AAP aufnimmt, trägt jedes siebte Tier solche potenziell gefährlichen Keime.

Wofür AAP sich stark macht

Wir wollen Tierleid nachhaltig vorbeugen – mit einer Positivliste für Haustiere. Darin beurteilen unabhängige Fachleute, welche Tiere sich als Haustiere eignen. Diese Listen können regelmäßig aktualisiert werden und sehen Übergangsfristen für schon vorhandene Haustiere vor. Neun EU-Länder haben bereits Positivlisten. Deutschland gehört nicht dazu. Das wollen wir ändern und arbeiten dafür mit führenden deutschen Organisationen zusammen.

Unsere Erfolge

Wir sind ein Expertise-Zentrum zur Positivliste für Haustiere und teilen unsere Fachkenntnis gerne. Unsere Fachleute informieren und klären auf – in Vorträgen, auf Veranstaltungen und bei Treffen mit Entscheidern. Dabei arbeiten wir mit anderen NGOs zusammen und beraten Regierungen in der gesamten EU. Das Ergebnis unserer erfolgreichen Lobbyarbeit? Die Positivliste wurde bereits in mehreren EU-Staaten wie Belgien, Frankreich, Litauen, Luxemburg, den Niederlanden, Slowenien und Zypern angenommen.

Aktuell unterstützen wir auch Länder, in denen die Positivliste noch diskutiert oder entwickelt wird, darunter Deutschland und Italien. Gemeinsam mit der Eurogroup for Animals setzen wir uns für eine einheitliche Positivliste in der Europäischen Union ein. Auch hier machen wir Fortschritte: Die überwiegende Mehrheit der EU-Mitglieder ist inzwischen dafür, die Vorteile zu prüfen