Das Bild zeigt Schimpanse Linda, die vor einer steinerner Wand kauert. Linda wurde kurz nach der Aufnahme gerettet.

Ein lebenswertes Leben für Schimpanse Linda

Der Schimpanse Linda war jahrelang allein in einem kleinen Betonschuppen eingesperrt. Nur weil die Beziehung ihrer Besitzer in die Brüche ging, konnte sie befreit werden. Wie konnte das passieren?

Linda wurde sehr jung der Wildnis entrissen und an ein Pärchen auf Lanzarote verkauft. Sie wurde dressiert, um im Kleidchen mit Touristen Fotos zu machen.  Als Linda in die Pubertät kam, sperrte man sie in einen Schuppen. Immer seltener durfte sie raus und an den Strand gehen. Ihre Tage wurden immer leerer, bis sie ausbrach, um die Welt zu erkunden.

Ein Foto von Schimpansen Linda und einem Kind. Linda hat die Kinderkleidung an und posiert um Touristen anzulocken. Sie hat den Arm um ein Kind gelegt, dessen Gesicht zensiert ist.
Linda dient vor allem als Belustigung für Touristen. Diese sollten Fotos mit dem süßen Baby-Schimpansen machen. Als Linda protestiert, wird sie weggesperrt.

Schimpanse Linda Wieder eingefangen

Linda wollte entkommen, wurde aber geschnappt, von einem Tierarzt betäubt und zu ihren Besitzern zurückgeschleppt. Wieder wurde sie eingesperrt, diesmal in einem stabileren Schuppen. Jahrelang saß sie dort fest. Keine Ausflüge mehr an den Strand, keine leckeren Snacks, keine Aufmerksamkeit. Allein in drückender Hitze blieb ihr nichts anderes übrig als die Wand anzustarren. So verlief ihr Leben, bis Lindas Besitzer andere Sorgen hatten. Wegen ihrer Scheidung mussten sie das Haus verkaufen. Aber wie verkauft man ein Haus, in dem ein illegal gehaltener Schimpanse lebt?

Schimpanse Linda musste weg und AAP wurde kontaktiert. Wir machten uns sofort auf den Weg. „Das Schönste, an das ich mich von der Rettung erinnere, ist, dass ich zum Schuppen ging und eine wunderschöne schwarze Hand sah, die sich aus der Dunkelheit durch das Gitterfenster streckte. An diese Begrüßung werde ich mich mein Leben lang erinnern,“ sagt David van Gennep, AAPs Geschäftsführer. 

Auf dem Foto sieht man David van Gennep, wie er seine Hand in Richtung einer kleinen Öffnung in einer Betonwand ausstreckt. Aus der Öffnung streckt Schimpanse Linda ihre Hand.
Das erste Treffen von Linda und David van Gennep.

andere Schimpansen kennenlernen

Bei AAP angekommen, begann für Schimpanse Linda eine schwierige Zeit. Sie hatte nie Artgenossen gesehen, und daher wusste sie überhaupt nicht, wie sich sich verhalten sollte. Die erste Begegnung mit Artgenossen war also sowohl für Linda als auch für uns sehr aufregend. Tierpfleger, Verhaltensforscher, andere Mitarbeiter und einige Journalisten konnten die erste Kontaktaufnahme live auf einem Bildschirm mitverfolgen. Einige hatten Tränen in den Augen, als wir Zeuge der innigen Umarmung von Linda und ihrem Artgenosse Julio wurden. Was für eine Erleichterung!

Der erste Schritt war getan. Julio und Linda wurden enge Gefährten und er passte auf sie auf. Alleine war Linda aber immer noch etwas schüchtern und lebte zurückgezogen vom Rest ihrer Gruppe. Unsere Verhaltensforscher und Tierpfleger übten daher viel mit Linda, sodass sie eine wichtigere Rolle in der Gruppe einnehmen konnte. Mit Erfolg: Immer öfter sahen wir, wie sich Linda in den Vordergrund drängte, vor allem wenn es ums Futter ging. Langsam lernte sie mit den anderen Schimpansen richtig umzugehen. Es war an der Zeit zu sehen, ob Linda auch ohne Julios Schutz klarkommen würde.

So zog Linda vor einigen Monaten zusammen mit Schimpansin Regina zu dem Rüden Macario. Das war eine ziemliche Umstellung… Aber schon jetzt stellen wir fest, dass Lindas anfängliche Schüchternheit größtenteils verschwunden ist, auch wenn sie Macario in angemessenem Abstand hält. Für soziale Kontakte und das wichtige Lausen ist ihr Regina dann doch lieber.

Auf dem Bild sieht man den Affen Linda, die sich in einem Gehege bei AAP befindet. Im Hintergrund sieht man einen weiteren Schimpansen.
Heutzutage lebt Linda mit Artgenossen. Bei ihrer Ankunft musste sie aber erst lernen, was es heißt ein Schimpanse zu sein.

Tierschutzgesetz in Spanien

Schimpanse Linda ist gerettet: Bei AAP führt sie ein liebevolles Leben und kann ihre einsame Vergangenheit in einem spanischen Betonschuppen für immer hinter sich lassen. Aber auch für andere exotische Tiere in Spanien gibt es gute Nachrichten. Nicht zuletzt dank der jahrelangen Arbeit von AAP hat Spanien im März das erste nationale Tierschutzgesetz in der Geschichte des Landes verabschiedet! Das Gesetz enthält nicht nur eine Positivliste für Haustiere, sondern auch ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen. Zwei große Schritte für den Tierschutz!

Weitere Informationen zum Tierschutzgesetz in Spanien gibt es hier: https://de.aap.eu/nieuws/positivliste-in-spanien/

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